Workshop als Team-Werkplatz

Wie aus Workshopteilnehmer*innen ein echtes Team wird

Der Weg zu einem Branding, das gelebt wird, und das im Herzen des Unternehmens gründet, führt oft über das Mitwirken und Mitdenken von Mitarbeitenden. Am Anfang dieses partizipativen Prozesses steht meist eine Reihe von Workshops.

«Ach, schon wieder ein Workshop?» Wer hat das noch nie gedacht? Und man kann es niemandem verübeln. Diese Workshop-Müdigkeit resultiert zum einen daraus, dass man in Workshops oft zu keinem greifbaren Ergebnis kommt. Aber auch aus den typischen, immer wiederkehrenden Mustern, die man in Gruppenprozessen erlebt und als lähmend empfindet.

Was wir aus der Erfahrung von unzähligen Workshops gelernt haben, entspricht den Gesetzmässigkeiten, wie sie zum Beispiel der Psychiater und Autor M. Scott Peck beschreibt.  Sein Modell nennt vier Phasen, die eine Gruppe durchläuft, bis sie zur wirklichen Gemeinschaft zusammenwächst:    

1. Pseudogemeinschaft  
Phase des Konsens und der Freundlichkeit (Konfliktvermeidung, Sicherheit)

2. Chaos  
Phase des Machtkampfs und der Emotionen (überzeugen, belehren, retten)

3. Leere  
Phase der Stille und des Übergangs
(verausgabt, ernüchtert, ratlos)

4. Wirkliche Gemeinschaft (Authentizität)  
Geteilte Vision, Entstehung von Neuem, gemeinsam erschaffen

Wir brauchen Sicherheit  
Mit der Phase der Pseudogemeinschaft startet eigentlich jeder Workshop. «Pseudo» (griech. für unecht, vorgetäuscht) ist in diesem Zusammenhang nicht wertend gemeint. Es bedeutet: Die Teilnehmenden, die im Unternehmen unterschiedliche Rollen einnehmen, orientieren sich im Gruppenprozess zunächst an einem «scheinbar» gemeinsamen Nenner. Das gibt ihnen Sicherheit. Die Mitwirkenden gehen zu Beginn selbstverständlich davon aus, dass sie sich hinsichtlich Wertehaltung und Selbstbild des Unternehmens einig sind.    

Und dann? Die Gefahr, dass das Team nie über diesen Punkt hinauskommt, ist gross. Langeweile stellt sich ein. Das gegenseitige Bestätigen und der Austausch über Dinge, die längst klar sind, führen zu einem Gefühl des An-Ort-und-Stelle-Tretens. Ein Ergebnis ist nicht in Sicht.    

Harmonie kann lähmen
Wenn aber die Harmonie sich auflöst, gegensätzliche Meinungen aufeinanderprallen, ein verbales Armdrücken stattfindet, die Stimmung merklich angespannt ist, Emotionen an die Oberfläche drängen, dann beginnt die Chaos-Phase. Oft hat die Person, die sie auslöst, auch im Unternehmen diese Rolle: zu stören, Gewohnheiten aufzubrechen – eine undankbare, aber ganz wichtige Rolle. Weiterentwicklung kann nur durch Veränderung geschehen. Wichtig ist dabei, dass diese «störenden» Stimmen Gehör finden. Andernfalls wird der Widerstand womöglich immer wieder geweckt.    

Stille aushalten  
Wir sind unser Berufsleben lang auf Effizienz getaktet. An diesem Punkt im Workshop, in der Chaos-Phase, sind wir daher besonders gefordert. Wir glauben das vorzeigbare Ergebnis in Gefahr. Wir sehen uns unter Zugzwang. Es muss etwas geschehen. Und es ist verlockend, in blinde Aktion zu verfallen. Was aber, wenn man sich gegenseitig nicht überzeugen kann? Wenn kein Argument auf fruchtbaren Boden fällt? Ratlosigkeit stellt sich ein – und Stille. Wer diese aushält und sich von festgefahrenen Meinungen und Erwartungen lösen kann, schafft Raum.    

Gemeinsam denken  
In diesem Raum kann sich gemeinsames Denken entwickeln, Neues entstehen. Es bildet sich eine wirkliche Gemeinschaft. Für uns als Workshop-Begleiterinnen, aber auch für alle anderen im Raum, ist dieser Moment jeweils deutlich wahrnehmbar: Nicht vom gleichen reden, sondern das gleiche fühlen. Ein Wir-Gefühl, auch ohne Worte. Eine Offenheit und ein Interesse für alle Sichtweisen und Ideen. So entsteht eine Co-Kreation.    

Vertrauen in den Prozess
Unsere Arbeit zeigt uns immer wieder deutlich: Wer in Workshops oder in der Teamzusammenarbeit die Komfortzone verlässt, dringt zum Kern einer Sache vor. Neue Erkenntnisse, die etwas bewegen und bewirken, werden nur über eine vertiefte Auseinandersetzung gewonnen. Frust, Konflikte und Ernüchterung gehören zu Gruppenprozessen dazu. Es lohnt sich, Widerstand nicht einfach zu ignorieren oder zu unterdrücken. Bei genauem Hinhören und Hinsehen findet sich genau darin grosses Potenzial zur Weiterentwicklung.               

Selina Krummenacher